Rubrik: Prävention / Mobbing an Schulen: Ursachen, Folgen und Wege aus der Spirale
- Mario Dieringer
- 11. März
- 5 Min. Lesezeit

Mobbing ist kein harmloser Streit unter Schülern. Es ist eine systematische, wiederholte Form der Gewalt – psychisch, verbal oder körperlich. Es zerstört Selbstwertgefühl, raubt Lebensfreude und kann im schlimmsten Fall tödlich enden.
Doch Mobbing ist kein Naturgesetz. Es kann gestoppt werden – wenn Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam handeln.
Was ist Mobbing?
Mobbing ist mehr als ein einmaliges Ärgern oder Hänseln. Es umfasst:
Körperliche Angriffe (Schlagen, Stoßen, Sachbeschädigung)
Verbale Demütigungen (Beleidigungen, Spott, Drohungen)
Soziale Isolation (Ausschluss aus Gruppen, absichtliches Ignorieren)
Cybermobbing (Bloßstellen, Hetze oder Bedrohungen im Internet)
Die Täter haben oft das Ziel, Macht auszuüben. Opfer fühlen sich machtlos und allein gelassen. Doch es gibt Wege, sich zu schützen.
Die Auswirkungen von Mobbing
Mobbing hinterlässt Narben – nicht nur äußerlich, sondern auch tief in der Seele. Betroffene leiden oft unter:
Angst und Panikattacken
Schlafstörungen und Albträumen
Schulverweigerung oder sinkenden Noten
Selbstzweifeln, Depressionen und Suizidgedanken
Viele glauben, sie seien selbst schuld. Doch Mobbing ist niemals die Schuld des Opfers. Es sind die Täter, die verantwortlich sind. Und es sind die Erwachsenen, die eingreifen müssen.
Wie können sich betroffene Schüler schützen?
Sprich darüber. Mobbing lebt von Schweigen. Erzähle es einem Lehrer, deinen Eltern oder einer Vertrauensperson.
Bleib nicht allein. Suche Unterstützung bei Mitschülern oder Anti-Mobbing-Gruppen. Gemeinsam seid ihr stärker.
Wehre dich – aber klug. Schreie laut „Hör auf!“, verlasse die Situation oder melde den Vorfall. Gewalt ist keine Lösung, aber Ignorieren oft auch nicht.
Sichere Beweise. Bei Cybermobbing: Mache Screenshots, dokumentiere Angriffe und melde sie.
Lass dir helfen. Schulpsychologen, Beratungsstellen oder Online-Hilfsangebote stehen bereit. Du bist nicht allein.
Was können Lehrer tun?
Lehrer haben eine Schlüsselrolle. Sie müssen:
Mobbing erkennen – Verändertes Verhalten, plötzliche Verschlossenheit oder Angst vor der Schule sind Warnsignale.
Eingreifen – Täter konfrontieren, klare Grenzen setzen und Präventionsmaßnahmen in den Unterricht einbauen.
Sich schulen lassen – Anti-Mobbing-Programme wie das „No-Blame-Approach“-Verfahren helfen, das Problem zu lösen.
Betroffene unterstützen – Sie müssen wissen: Die Schule steht hinter ihnen, nicht hinter den Tätern.
Was können Eltern tun?
Eltern sind oft die erste Rettungslinie. Sie sollten:
Zuhören, ohne zu urteilen. Kinder haben Angst, als Schwächlinge zu gelten. Mach ihnen keine Vorwürfe.
Beweise sichern. Falls notwendig, dokumentiere Vorfälle, E-Mails oder Nachrichten.
Mit der Schule sprechen. Bestehe auf ein Gespräch mit Lehrern oder der Schulleitung. Schulen haben eine Aufsichtspflicht.
Professionelle Hilfe suchen. Psychologen oder Beratungsstellen können Kinder stärken.
Dem Kind den Rücken stärken. Kein Kind sollte sich allein fühlen. Zeige ihm, dass es wertvoll und geliebt ist.
Wenn Mobbing tödlich endet
Jedes Jahr nehmen sich Schüler das Leben, weil sie keinen Ausweg mehr sehen. Ein Abschiedsbrief, ein leeres Klassenzimmer – und plötzlich wird Mobbing zum Thema. Doch dann ist es zu spät.
Ein Suizid nach Mobbing ist eine Tragödie. Für die Familie, die Freunde, die Schule. Die Frage „Warum hat niemand geholfen?“ bleibt unbeantwortet. Doch genau hier liegt die Lösung: Mobbing muss verhindert werden, bevor es zu spät ist.
Mobbing ist kein Kinderstreich – es ist Gewalt
Mobbing ist eine gesellschaftliche Verantwortung. Schüler, Lehrer, Eltern – jeder kann helfen, es zu beenden. Das Schweigen zu brechen, bedeutet Leben zu retten.
Niemand sollte durch Mobbing in den Tod getrieben werden. Und kein weiteres Handy sollte mehr klingeln, ohne dass jemand rangeht.
Was geht in den Köpfen von Mobbern vor? Es gibt Erklärungen:
es gibt mehrere psychologische Erklärungen dafür, warum Menschen andere mobben. Mobbing ist ein komplexes Verhalten, das oft aus einer Kombination aus persönlichen, sozialen und gesellschaftlichen Faktoren entsteht. Hier sind einige zentrale psychologische Erklärungsansätze für das Verhalten von Mobbing-Tätern:
1. Macht und Dominanz – Die Psychologie der Unterdrückung
Viele Mobber haben das Bedürfnis, Macht über andere auszuüben. Sie genießen es, Kontrolle über ihr Opfer zu haben und es zu erniedrigen. Dieses Verhalten kann aus einem eigenen Gefühl der Machtlosigkeit entstehen – in anderen Lebensbereichen fühlen sie sich vielleicht klein oder schwach, also kompensieren sie das, indem sie andere klein machen.
Psychologische Ursache:
Ein geringes Selbstwertgefühl, das durch das Dominieren anderer künstlich gestärkt wird
Die Angst, selbst zur Zielscheibe zu werden (Präventiv-Mobbing)
Sozialdarwinistische Überzeugungen, dass „der Stärkere gewinnt“
Beispiel: Ein Schüler, der zu Hause selbst Gewalt oder Missachtung erfährt, könnte in der Schule andere angreifen, um sich wenigstens dort als überlegen zu fühlen.
2. Gruppenzwang und soziale Dynamiken – Der Druck, Täter zu werden
Viele Mobber handeln nicht alleine, sondern in Gruppen. Hier spielen Gruppendynamiken eine große Rolle. Menschen sind soziale Wesen, und in vielen Fällen entsteht Mobbing aus einem verzerrten Gefühl von „Zusammenhalt“. Wer sich von der Gruppe abgrenzt, könnte selbst zum Opfer werden – also machen viele mit.
Psychologische Ursache:
Soziale Konformität: Der Wunsch, dazuzugehören, überlagert moralische Bedenken
Die Diffusion der Verantwortung: „Alle machen es, also ist es nicht meine Schuld“
Gruppendenken: Das Gefühl, dass es „normal“ ist, bestimmte Personen auszuschließen oder zu quälen
Beispiel: In einer Schulklasse wird ein neuer Schüler ausgeschlossen. Einzelne Mitschüler fühlen sich zwar unwohl mit der Situation, aber sie haben Angst, sich gegen die Gruppe zu stellen. Also schweigen sie oder machen mit.
3. Geringe Empathiefähigkeit – Das emotionale Defizit
Manche Mobbing-Täter können sich nur schwer in andere hineinversetzen. Sie empfinden keine Schuldgefühle oder sehen das Leid ihrer Opfer nicht als real an. Besonders bei Tätern, die extreme Grausamkeit zeigen, kann eine Störung in der Empathieverarbeitung vorliegen.
Psychologische Ursache:
Mangelnde emotionale Intelligenz: Schwierigkeiten, Emotionen anderer wahrzunehmen
Alexithymie (Gefühlsblindheit): Die Unfähigkeit, eigene und fremde Gefühle richtig zu identifizieren
Starke egozentrische Perspektive: Nur die eigene Wahrnehmung zählt, andere existieren nur als „Mittel zum Zweck“
Beispiel: Ein Schüler zerstört absichtlich die Hausaufgaben eines anderen und lacht darüber. Er kann nicht verstehen, warum das Opfer wütend oder traurig ist, weil er sich selbst nicht vorstellen kann, wie es wäre, auf der anderen Seite zu stehen.
4. Erlerntes Verhalten – Wenn Gewalt zur Norm wird
Manche Mobber haben in ihrem eigenen Umfeld gelernt, dass Gewalt ein normales Mittel ist, um Probleme zu lösen oder sich durchzusetzen. Sie wurden vielleicht selbst gemobbt oder wachsen in einem Umfeld auf, in dem Respektlosigkeit, Herabwürdigung und Gewalt an der Tagesordnung sind.
Psychologische Ursache:
Sozialisation durch aggressive oder abwertende Eltern
Vorbilder in den Medien oder im Freundeskreis, die Mobbing-Verhalten normalisieren
Fehlende Konsequenzen für respektloses oder aggressives Verhalten
Beispiel: Ein Junge sieht zu Hause, dass sein Vater seine Mutter herabwürdigt. Er lernt, dass „Schwäche“ verachtenswert ist, und fängt an, in der Schule andere niederzumachen, um sich selbst stark zu fühlen.
5. Mangelnde Frustrationstoleranz – Mobbing als Ventil für eigene Probleme
Manche Täter reagieren auf eigene Unsicherheiten oder Probleme mit Aggression gegen andere. Sie sind oft impulsiv, schnell reizbar und können Stress oder negative Emotionen schlecht regulieren.
Psychologische Ursache:
Schwierigkeiten im Umgang mit Stress oder Frustration
Überforderung mit eigenen Gefühlen, die in Wut umgewandelt wird
Fehlende Strategien, um Probleme konstruktiv zu lösen
Beispiel: Ein Mädchen hat große Angst vor einer Matheprüfung. Um sich abzulenken, macht sie eine andere Schülerin nieder, damit sie sich kurzzeitig besser fühlt.
6. Narzissmus und Gefühl der Überlegenheit
Manche Mobber glauben, dass sie „besser“ sind als andere und halten sich für überlegen. Sie empfinden kein Mitleid mit ihrem Opfer, sondern genießen das Gefühl, sich über jemanden zu stellen.
Psychologische Ursache:
Grandioser Narzissmus: Das übersteigerte Gefühl, überlegen zu sein
Bedürfnis nach Aufmerksamkeit: Mobbing als Mittel, um Bewunderung zu erhalten
Fehlender Respekt für andere Menschen
Beispiel: Ein Schüler aus einer wohlhabenden Familie beleidigt ärmere Mitschüler, weil er glaubt, sie seien „weniger wert“.
Warum wird jemand zum Mobber?
Es gibt nicht „den einen“ Grund für Mobbing. Manche Täter handeln aus Angst, andere aus Wut, wieder andere aus sozialem Druck oder weil sie es nie anders gelernt haben. Doch eines ist sicher: Mobbing ist niemals eine „normale“ Verhaltensweise.
Die gute Nachricht: Mobbing ist erlerntes Verhalten – und es kann verlernt werden. Präventionsprogramme, Aufklärung und therapeutische Maßnahmen können helfen, Mobber zu ändern, bevor sie noch mehr Schaden anrichten.
Die Verantwortung liegt bei uns allen: Wir müssen hinsehen, eingreifen und verhindern, dass Mobbing zur lebenslangen Wunde wird – für Opfer und Täter.
Wenn dich dieser Beitrag berührt hat oder du jemanden kennst, der unter Mobbing leidet oder Täter ist, dann teile ihn, kommentiere und schreibe mir deine Gedanken oder speichere ihn für später. Manchmal kann genau diese eine Nachricht den Unterschied machen – für dich oder für jemanden, der sie dringend braucht. Lass uns gemeinsam ein Zeichen setzen: Niemand muss diese Last allein tragen. 💙
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