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Rubrik: Prävention / Den richtigen Therapeuten finden: Ein Leitfaden für die Suche nach professioneller Hilfe

Autorenbild: Mario DieringerMario Dieringer



Einen Therapeuten zu suchen, ist oft ein Schritt, der viel Überwindung kostet. Vielleicht ist es das Eingeständnis, dass man es alleine nicht mehr schafft. Vielleicht ist es die Angst vor der Stigmatisierung. Vielleicht ist es schlicht die Unsicherheit, wo man anfangen soll.

Und dann kommt die eigentliche Herausforderung: Wen soll ich wählen?

Denn ein Therapeut ist nicht nur irgendein Dienstleister. Er ist jemand, der tief in die eigene Geschichte eintaucht, jemand, mit dem man sich öffnen muss. Jemand, der hilft, die dunkelsten Gedanken zu sortieren.

Ein schlechter Therapeut kann diesen Prozess erschweren. Ein guter kann Leben verändern.

Doch wie findet man den richtigen?


1. Welche Therapieform passt zu mir?

Nicht jeder Therapeut arbeitet gleich. Es gibt verschiedene Therapieformen – und nicht alle sind für jedes Problem oder jede Persönlichkeit geeignet.


Kognitive Verhaltenstherapie (CBT)

  • Fokussiert auf Gedankenmuster und Verhaltensänderungen.

  • Strukturiert, lösungsorientiert, praktisch.

  • Besonders effektiv bei Depressionen, Ängsten, Zwangsstörungen.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

  • Blickt auf die Vergangenheit, um heutige Probleme zu verstehen.

  • Untersucht Kindheit, Beziehungen und unbewusste Konflikte.

  • Hilft besonders bei wiederkehrenden emotionalen Problemen.

Psychoanalyse

  • Sehr tiefgehende Methode mit mehreren Sitzungen pro Woche.

  • Analysiert das Unterbewusstsein, Traumata und verdrängte Erinnerungen.

  • Geeignet für Menschen mit langjährigen, tief verwurzelten psychischen Belastungen.

Humanistische Therapieformen (z. B. Gesprächstherapie nach Rogers)

  • Setzt auf Selbstexploration und persönliche Entwicklung.

  • Klient steht im Mittelpunkt, wenig direkte Anleitung durch den Therapeuten.

  • Ideal für Menschen, die sich selbst besser verstehen wollen.

Traumatherapie (z. B. EMDR, somatische Therapie)

  • Speziell für Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen.

  • Nutzt gezielte Techniken, um traumatische Erinnerungen zu verarbeiten.

Systemische Therapie

  • Betrachtet Probleme im Kontext von Familie, Beziehungen und sozialem Umfeld.

  • Besonders hilfreich bei Konflikten in Partnerschaft oder Familie.

Die Frage ist also: Was brauche ich? Eine schnelle, lösungsorientierte Unterstützung oder eine tiefere Aufarbeitung meiner Geschichte?

2. Wie finde ich überhaupt einen Therapeuten?

Je nach Land gibt es verschiedene Wege:

  • Über die Krankenkasse: In vielen Ländern übernehmen Krankenkassen die Kosten für bestimmte Therapeuten. Die Kassen haben oft Listen von zugelassenen Fachkräften.

  • Online-Verzeichnisse: Plattformen wie Doctolib, TherapyRoute oder Therapeuten-Listen helfen, gezielt nach Fachrichtung und Ort zu suchen.

  • Empfehlungen: Hausärzte, Freunde oder Selbsthilfegruppen haben oft Kontakte zu guten Therapeuten.

  • Psychologische Notfallstellen: In akuten Krisen kann eine psychiatrische Notaufnahme oder ein Krisentelefon kurzfristige Hilfe vermitteln.

3. Worauf sollte ich bei der Wahl achten?

Die erste Sitzung ist entscheidend. Hier ein paar Fragen, die helfen, den richtigen Therapeuten zu finden:

  • Fühle ich mich verstanden?

  • Stellt der Therapeut die richtigen Fragen oder folgt er nur einem Schema?

  • Fühle ich mich respektiert und ernst genommen?

  • Habe ich das Gefühl, dass hier echte Hilfe möglich ist?

Ein Therapeut kann noch so qualifiziert sein – wenn keine Verbindung entsteht, wird die Therapie kaum Erfolg haben.

4. Was, wenn der Therapeut nicht passt?

Manchmal merkt man nach ein paar Sitzungen: Das funktioniert nicht. Das kann verschiedene Gründe haben:

  • Zu wenig Empathie: Der Therapeut wirkt kalt oder distanziert.

  • Zu viel Redeanteil: Manche Therapeuten erzählen mehr von sich, als zuzuhören.

  • Kein klares Konzept: Es gibt keinen roten Faden, keine Struktur.

  • Unangenehmes Gefühl: Man fühlt sich unwohl, kritisiert oder nicht ernst genommen.

Dann ist es völlig legitim, einen Wechsel in Betracht zu ziehen. Therapie ist kein Zwang – es ist ein Prozess, der passen muss.

5. Was tun, wenn es keine freien Therapieplätze gibt?

Einer der größten Frustpunkte: Die Wartelisten sind oft lang. Doch es gibt Möglichkeiten, die Wartezeit zu überbrücken:

  • Bei mehreren Therapeuten parallel anfragen.

  • Psychologische Beratungsstellen nutzen.

  • Überbrückungstherapie bei Privattherapeuten – manche Kassen übernehmen Kosten in Ausnahmefällen.

  • Online-Therapie ausprobieren – Apps wie BetterHelp oder Selfapy bieten oft niedrigschwellige Unterstützung.

  • Selbsthilfegruppen in Betracht ziehen – sie können eine wichtige Stütze sein, auch wenn sie Therapie nicht ersetzen.

Fazit: Die richtige Hilfe ist da – man muss sie nur finden

Den richtigen Therapeuten zu finden, ist nicht leicht. Aber es lohnt sich.

Es kann der Unterschied sein zwischen weiterem Leiden und echter Heilung. Zwischen Verzweiflung und einem neuen Lebensgefühl.

Und ja, manchmal dauert die Suche. Manchmal braucht es mehrere Versuche. Aber am Ende ist das Wichtigste: Nicht aufgeben. Sich nicht mit „Es gibt keine Hilfe“ zufriedengeben.

Denn Hilfe gibt es. Und jeder Mensch hat das Recht darauf. Wenn dich dieser Beitrag berührt hat oder du jemanden kennst, der mit Depressionen, Ängsten oder Suizidalität zu kämpfen hat, dann teile ihn, kommentiere und schreibe mir deine Gedanken oder speichere ihn für später. Manchmal kann genau diese eine Nachricht den Unterschied machen – für dich oder für jemanden, der sie dringend braucht. Lass uns gemeinsam ein Zeichen setzen: Niemand muss diese Last allein tragen. 💙 #DuBistNichtAllein #hilfefürsuizid #prävention #depressionen #angst #suizidalität #hilfezurselbsthilfe

 
 
 

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